Spitzwegerich

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Plantago lanceolata

Auch: Rippenkraut, Wegetritt, Siebenrippe, Aderblatt, Wegwartkraut, Sohlenkraut

Drogenname: Plantaginis herba

Inhaltsstoffe: Schleim- und Gerbstoffe, das Glykosid Aucubin, Kieselsäure, Flavonoide, Vitamin C, Chlorophyll, Bitterstoffe, Catapol, Labenzym

Eigenschaften: blutreinigend, kühlend, hustenlindernd, harntreibend, zusammenziehend, zerteilend

Die mehrjährige Pflanze ist auf fast jeder Wiese zu finden. Sobald er blüht sieht man ihn von weitem. Er hat einen blattlosen, gefurchten Blütenstängel. Unscheinbare beigebraune Blüten sitzen in einer eiförmigen Ähre. Auffallend sind die langen weiß-gelben Staubblätter.

Seine spitz zulaufenden Blätter haben ihm seinen Namen gegeben. Die Blätter stehen in einer bodennahem Rosette. Sie werden 10 – 20 cm lang, sind schmal lanzettlich und ganzrandig. Deutlich erkennbar sind die 5 – 7 längs verlaufenden Blattnerven. Schon die ersten austreibenden Blätter lassen sich gut erkennen.

Der zweite Teil des Namens leitet sich daraus ab, dass er häufig an und auf Wegen zu finden ist. Besonders der Breitwegerich ist außerordentlich trittfest und ist auf stark verdichtetem Boden häufig die einzige Pflanze, die dort noch wachsen kann. 

Vorkommen: 

Wiesen, Weiden, Wegränder,Waldränder, Äcker, naturnahe Gärten.

 

Verwandte Arten: 

Mittlerer Wegerich (P. media), mit eher eiförmigen Blättern und weiß-lilafarbenen Staubfäden. Man kann ihn genauso verwenden. Breitwegerich (P. major), kulinarisch wie der Spitzwegerich. 

 

Beide haben aber mehr antibiotische Inhaltsstoffe, so dass es nicht schadet immer auch ein paar andere Wegerichblätter in den Hustensaft oder Tee zu mischen.

 

Ernte: 

Die jungen Blätter sammelt man am besten vor der Blüte von März bis Mai.

Kultur: 

Der Spitzwegerich kann auch kultiviert werden. Normalerweise findet man ihn aber so zahlreich, dass dies nicht notwendig ist. Ein Rückschnitt der Pflanze im Sommer regt einen Neuaustrieb für die Ernte frischer Blätter an. Eine Vermehrung ist durch Aussaat im Frühling möglich.

 

Konservieren: 

Das Sammelgut schnell bei 50 – 60 ° C trocknen um eine Aufspaltung des Aucumins durch ein in der Pflanze enthaltenes Enzym zu verhindern. Bräunlich – schwarz verfärbtes Kraut ist nicht mehr Wirksam.

 

Kulinarik: 

Alle Wegerich-Arten sind ein leckeres Wildgemüse, allerdings ist der Spitzwegerich etwas feiner und zarter. Die Blätter eigenen sich für Salate, Suppen, Kräuteromeletts und Gemüse. In Russland verwendete man die aromatischen Blätter zur Herstellung eines Brotaufstrichs, aber auch in Kartoffelsalat, zusammen mit Brennesselblättern und etwas Meerrettich. Jene aus der Mitte der Blattrosette schmecken am besten. Werden sie längere Zeit gedünstet, dann entwickelt sich ein pilzähnlichen Aroma. Ältere Blätter erntet man für einen angenehm schmeckenden Tee. Überraschend ist das Aroma der Knospen. Wenn sie noch jung sind, schmecken sie (roh geknabbert oder in Öl gedünstet) wie Champignons. Sie sollten bei der Ernte dunkel aussehen, dann sind sie äußerst delikat.

Heilpflanze: 

In früheren Zeiten galt vor allem der Breitwegerich als kräftige Heilpflanze. er wurde als blutstillendes Mittel bei Verletzungen und als Gegenmittel beim Biss giftiger Tiere eingesetzt. In der modernen Pflanzenheilkunde hat der Spitzwegerich seinen Platz eingenommen. 

Er ist eine anerkannte und bewährte Hustenpflanze mit schleimlösender und reizmildernder Wirkung. Besonders wirksam ist der Tee mit etwas Honig. Bei Kindern beliebt ist der süße Spitzwegerich-Hustensirup. 

Den Saft frisch zerquetschter Blätter kann man bei kleinen Verletzungen, Insektenstichen, Blasen oder gestreifen Brennesseln auftupfen, er hat schmerzlindernde und blutgerinnende Wirkung. Den Saft erhält man am einfachsten wenn man mehrere Blätter miteinander verknotet und den Knoten kräftig reibt. 

Unterwegs im Grünen kann man die Blätter auch als Pflaster um die Finger verwenden.

Bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum wird das Gurgeln mit Spitzwegerich empfohlen. 

Er wird bei Infektionen des Harnapparates verwendet, sowie wegen des Gerbstoffgehltes bei Magen- und Darmerkrankungen, schwachem Magen und Magersucht.

Wer zu Bindegewebsschwäche oder Blutarmut neigt, sollte den enzymreichen Presssaft probieren.

Wegerichsamen sind, genauso wie Leinsamen, sanft abführend.  

Bei Blasen an den Füßen hilft mit Salz zerstossener Wegerich.

Das Glykosid Aucubin besitzt antibiotische Eigenschaften. 

Die Gerbstoffe entziehen krankmachenden Bakterien in den Schleimhäuten die Überlebensgrundlage.

Die Schleimstoffe unterstützen die Körpereigenen Schleimhäute gegen Angriffe von Fremdkörpern.

Kieselsäure ist reich an Silizium, welches zur Bildung von Schleimhautgewebe, Knorpel- und Knochengewebe begraucht wird.

Flavonoide wirken entzündungshemmend.

Von Hieronymus Bock (1498-1554) wurden die Wegericharten als brauchbarste aller Kräuter bezeichnet und bei vielen Leiden angewendet.

Da der Spitzwegerich verschiedene, das Wachstum von Mikroorganismen hemmende Substanzen enthält, schimmelt der Pflanzensaft nicht.

 

Mystisches / Magisches: 

Im Mittelalter bestand der Glaube, dass Spitzwegerich Männern, Breitwegerich dagegen Frauen nützlich sein sollte. Ihm wurde ein große Zauberkraft zugesprochen und man trug sogar seine Wurzel als Amulett um den Hals. 

Auch die Germanen benutzen den „Wegbeherrscher“ für allerlei Leiden: Die Wurzel um den Hals gehängt sollte vor Fieber schützen, im Mai wurden Blätter zur Blutreinigung gegessen, der Tee gegen Liebeskummer getrunken und die Wurzel im Ohr sollten gegen Ohrenschmerzen helfen.

Angeblich konnte man sich mit Hilfe des Wegerich-Saftes auch von angezauberter Liebe befreien.

Die Indianer nannten ihn „Fuß des weißen Mannes“, weil er überall dort auftauchte, wo sich der Weiße aufhielt. 

Hildegard von Bingen: 

„Wer von Stechen geplagt wird, der koche die Blätter in Wasser, drücke das Wasser aus und lege diese auf die Stelle, wo es schmerzt. Das stechen wird weichen. 

Wenn aber einem Menschen ein Knochen zerbrochen ist, schneide er die Wurzeln in Honig und esse davon täglich auf nüchternen Magen. Und er koche die Blätter mit Wasser und lege sie warm auf die gebrochene Stelle, sie wird heilen.“ 

Homöopathie: 

Breitwegerich-Urtinktur (Plantago major) bis D3, 5 bis 10 Tropfen mehrmals täglich bei Zahnschmerzen, Neuralgien und Bettnässen. Bei Ohrenschmerzen Urtinktur ins Ohr träufeln.

 

TCM: 

Man unterscheidet zwischen der ganzen Pflanze und dem Samen, beides hat die thermische Wirkung: kühl. Die zugeordneten Organe sind Blase, Leber, Niere und Lunge. Spitzwegerich vertreibt die Hitze aus den unteren Regionen und wirkt der Blutstagnation entgegen. Die Anwendungsgebiete sind Blasenentzündung, Exzeme, Lungenabszesse, chronische Bronchitis, Hämorrhoiden, aber auch Zahnschmerzen und Blasenschwäche.

 

Tipp: 

Wer sich als Raucher das Rauchen abgewöhnen möchten, dem kann das regelmäßige Trinken von Spitzwegerich helfen. Eine Erklärung für den Wirkmechanismus ist noch nicht gefunden, aber viele ehemalige Raucher schwören darauf, dass der Tee ihnen bei der Entwöhnung geholfen hat.

Fein geschnittene Zwiebel und quer zur Faser, in feine Streifen geschnittenen jungen Spitz-Wegerich in Öl andünsten. Nach 5 Minuten Garzeit gibt man junge Knospen und etwas Thymian dazu. Nach weiteren 5 Minuten mit Salz, Pfeffer und ggf. etwas Sahne-Ersatz abschmecken.

1 Hand voll frischen oder getrockneten Spitzwegerich mit 1 Tasse kochend heißem Wasser übergießen und kalt werden lassen. Abseihen und die Rückstände gut ausdrücken. Den Sud nochmals zum Kochen bringen und bei mittlerer Hitze um die Hälfte einkochen. Danach 200g Honig einrühren, bis sich das Ganze gelöst hat, und den Sirup noch warm in eine sterile Flasche füllen. Je nach Bedarf mehrere Teelöffel über den Tag verteilt einnehmen. 

Dem Sirup kann man bei Bedarf noch ätherische Öle zufügen.

2 Teelöffel getrockneter Spitzwegerich mit 1 Tasse kochendem heißem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen und abseihen. 2 bis 3 Tassen über den Tag verteilt trinken. Nach belieben mit Honig süßen.

30g junge Spitzwegerichblätter und -blüten, je 30g Triebspitzen von Salbei und Thymian, 100ml Wasser, 125g Rohrohrzucker, etwas Fenchelsamen, 1 Zitrone oder 1 EL milder Apfelessig

Fenchelsamen mörsern, Kräuter abrebeln und hacken. Mit Zucker und geviertelter Zitrone oder Essig pürieren. Mit Wasser aufgießen und aufkochen, auf kleiner Flamme ½ Stunde simmern lassen, zum durchziehen über Nacht kühl stellen. Durch ein feines Sieb laufen lassen, Flüssigkeit im Topf wieder langsam aufkochen und unter ständigem Rühren bei geringer Hitze karamellisieren lassen, bis eine zähflüssige Masse entsteht (kann ½ Stunde dauern). Auf Pergamentpapier tropfen lassen und erkaltet abziehen.

Das Rezept der Spitzwegerich-Bonbons verwenden, aber nach dem Durchziehen aufkochen und heiß in Flaschen abfüllen.

Der Sirup kann auch mit Honig angesetzt werden. Dabei wird kein Zucker vorher zugesetzt. Der Sirup wird nach dem Absieben kurz aufgekocht und bis auf ca. 40 ° C abgekühlt, dann wird die gleiche Menge Honig wie Zucker gut untergerührt und in Gläser abgefüllt.

Dem Sirup kann man bei Bedarf noch ätherische Öle zufügen.

1 Schraubglas zu ⅔ mit frisch geschnittenen Wegerichblättern (auch Breitwegerich) füllen. Mit kalt gepresstem Pflanzenöl übergießen und 3 Wochen in die Sonne stellen, dann abfiltern. 

Dies ist ein hervorragendes  und mildes Einreibemittel für Kinder mit Husten.  Es gehört auf den Brust- und Rückenbereich bei Bronchitis, bei Raucherhusten oder anderen Lungenkrankheiten. 

Je nach Anwendung kann man noch ätherische Öle (z.B. Thymian) zufügen.

Quellen:

Kräuterwanderung mit Kindern, Ines Scheiblhofer, ISBN 978-3-7104-0197-8

Dumonts kleines Lexikon Heilmittel, Anne Iburg, ISBN 3-89555-203-8

Wird das was – oder kann das weg?, Bärbel Oftring, ISBN 978-3-440-15303-1

Heilpflanzen gestern und heute, Hans-Peter Dörfler & Gerhard Roselt, 5. Aufl. 1990, ISBN 3925831118

Unsere essbaren Wildpflanzen, Rudi Beiser, 2018, ISBN 978-3440159101

Die Kräuter in meinem Garten, Siegrid Hirsch & Felix Grünberger, 22. Aufl. 2018, ISBN 978-3902134790

Das große GU Praxishandbuch Kräuter, Engelbert Kötter, ISBN978-3-8338-1129-6

Kräutersüße, Renate Leitner, ISBN 978-3-99025-235-2